Wie kann ich Menschen trösten, denen es dreckig geht?

Heute erzähl ich mal nen kurzen Schwank aus meinem Leben. Als ich krank war, mit dem Tumor im Kopf, vor so 2-3 Jahren, da waren die Zukunftsaussichten nicht wirklich blendend.

Um ehrlich zu sein, gab es keine. Denn der Feind, in meinem Kopf, würde mich wahrscheinlich umbringen….


In meiner Gemeinde wurde viel gebetet und die Leute wußten zum großen Teil, wie es wirklich um mich steht.

Das Größte was man für jemanden tun kann, ist, ihn vor Gott zu bringen – mich ermutigte es, dass so viele liebe Menschen für mich beten.

 

Heute fällt mir auf, dass sich viele Leute hilflos fühlten. Obwohl sie beteten, hatten sie anscheinend den Eindruck, dass sei nicht genug. Und dann taten sie etwas, was mir in Wirklichkeit ziemlich weh tat.


Sie gaben mir Ratschläge. Sie wollten mich ermutigen, aber sie verletzten mich.

 

Ich wurde überschüttet mit Broschüren, Büchern, Internetseiten oder ausgeschnittenen Zeitungsartikeln über Ernährungsratschläge und irgendwelche Mittelchen die irgendwie gegen alles gut sind. Sie versprachen Heilung oder zumindest, dass der Tumor aufhört zu wachsen.

Die Leute erzählten mir allmögliche Geschichten über Menschen, die geheilt wurden von schweren Krankheiten. Einer brachte mir eine große Pulle mit einem Kräuterdrink,
den er für 30€ gekauft hatte, obwohl er kaum Kohle hatte.

 

Ich hatte keinen Bock mehr. Ich bin manchmal nicht zum Gottesdienst, weil ich mich so "zugeschüttet" fühlte. Doch dann riefen sie an, weil sie dachten mir geht es schlechter und erzählten nur noch mehr Tipps.

Ich wußte die Menschen meinen es gut, wollen mir helfen wo sie nur können…. doch den Vers vom Römer 12, 15 verstanden sie irgendwie falsch….

 

"Weint mit denen, die weinen."

 

Am schlimmsten für mich waren die Leute der "Alles-wird-gut-wenn-man-nur-lange-genug-wartet" Fraktion, da kamen dann Sprüche wie:

  • "Der Tumor wird ein Segen für Dich werden."
  • "Gott hat bestimmt irgendwas mit Dir vor, sonst wärst Du jetzt nicht krank."
  • "Du wirst irgendwann froh sein, dass das passiert ist… ."
  • "Du mußt Gott sehr wichtig sein, wenn er Dir diese Situation zutraut."

 

Klar, in gewisser Hinsicht hatten sie Recht. Gott ist der Chef und er hat die Kontrolle über alles.
Und er ist gut!

Ich bin bis heute, alles andere als dankbar, dass ich den Tumor hatte. Die Schmerzen, das Kotzen, die Bestrahlungen…. darauf hätte ich gerne verzichtet.

Es gibt einen Bibelvers, der ganz gern zitiert wird, wenn es jemanden dreckig geht. Der steht auch oft auf Kaffeetassen, Postern, Grußkarten und allem anderem frommen Kitsch:
 

"Wer Gott liebt, dem dient alles, was geschieht, zum Guten. Dies gilt für alle, die Gott nach seinem Plan und Willen zum neuen Leben erwählt hat."
Römer 8, 28

 

Soweit so gut, aber ich glaube nicht, dass Gott Krankheiten und all möglichen Mist, den man so erlebt, vorbei schickt, damit wir eines Tages tolle Sachen machen. Da steht nicht, dass jeder Scheiß gut ist, sondern lediglich das Gott was draus machen kann.


Meiner Meinung nach, kommt Krankheit und all der Scheiß vom Teufel, der alten Stinkebacke…. aber so sehr der da auch rumfuchtelt, er kann Gottes Pläne NIEMALS durchkreuzen, unabhängig von dem was passiert.

 

Das ist was ganz anderes als zu sagen, alles was geschieht ist gut oder notwendig. Außerdem, so heftig das klingt, ist dieser Vers kein Versprechen an alle Menschen, sondern da steht….
 

  1. wer Gott liebt
  2. von ihm ausgewählt wurde

 

Krass, aber dieser Vers aus Römer 8 gilt, nach meiner Meinung, nicht für die nette Nachbarin, die täglich Schmerzen hat, aber nix mit Gott am Hut haben will.

Er gilt auch nicht für Deinen Arbeitskollegen, der seine Frau verloren hat…. und über Gott lacht.

Im Römer 8, 28 steht nicht das die Krankheit geheilt werden wird, sondern da steht das Gott seine Pläne durchziehen wird, egal was kommt!
 

Ich habe diesen Blogbeitrag geschrieben, damit Du Dir Gedanken darüber machst, wie ein gut gemeinter Ratschlag bei dem Menschen, den Du trösten möchtest, ankommen kann. Sag ihm einfach "Ich bete für Dich"…. damit bewirkst Du viel mehr. So habe ich das empfunden.

 

Sei fett gesegnet, ich wünsche Dir viel Weisheit im Umgang mit Menschen, die gerade miese Zeiten durchmachen.

Deine Jesus Punk

 


Textgedanken vom Larry Osborne
Ich schreibe für eine Initiative von In-Meiner-Strasse e.V
Wenn Du meine Arbeit unterstützen möchtest, findest Du auf diesem Link alle Infos.

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15 Kommentare zu „Wie kann ich Menschen trösten, denen es dreckig geht?“

  • Jane:

    Hallo Mandy!
     
    Vielen Dank für den tollen Beitrag.
    Ich hatte gerade gestern eine Diskussion mit einer Freundin, die mir ungebeten und ungefragt Ratschläge erteilen mußte im Rahmen einer äußerst schwierigen beruflichen Situation.
     
    Autsch, kann ich nur sagen.
     
    Ergänzend paßt sehr schön der Spruch: Rat"schläge" sind auch Schläge … und können sehr verletzen … besonders blöd, wenn es einem, wie mir in der Situation oder Dir in der geschilderten Krankheit ohnehin schon schlecht genug geht … da braucht man keine weiteren Schläge.
     
    Aber es ist ja alles sooooo guuuut gemeint. Wie gut, daß wir Gott lieben und uns von ihm lieben lassen dürfen. Ich habe leztens gelesen, und das gefiel mir sehr gut, daß manches Leid dazu da sein könnte, einfach mal zu zeigen, daß wir Gott trotzdem lieben – bedingungslos. Wir müssen das alles nicht gut finden, aber solange wir und an IHM festhalten und IHN lieben, wird es zum Guten dienen. (Die Freundin liebt Gott übrignes nicht sondern gehört zu der Spötterfraktion)
     
    Sei fett gesegnet, vielen Dank für Deinen Blog
    Jane

    • Hey Jane,

      dass mit dem Rat”schläge” gefällt mir. Gutes Wortspiel.
      Sagst Du deiner Freundin denn, dass sie damit nicht gerade nen Tor geschossen hat? Das wäre vielleicht ganz gut, sonst kommt sie beim nächsten Mal wieder mit ihren Ratschlägen….

      • Jane:

        Hey JP!
         
        Habs versucht, aber auf dem Ohr scheint sie ziemlich taub zu sein, da sie mir ja "helfen" will mit ihren ach so wertvollen Rat"schlägen" ;-)
         
        Tja, so sind sie hat, die ehrlichen aber undiplomatischen Menschen dieser Welt.
         
        LG
        Jane

    • Gotteskind:

      Wie kommt das denn, wenn sich überhaupt  n i e m a n d  meldet mit einem RATSCHLAG? Wie kommt frau sich dann vor? Diese Situationen gibt's halt auch. 

  • Nora:

    Heey Mandy, danke für diesen Beitrag!!!
    Ich habe momentan auch etwas durchzustehen. Ich habe Psoriasis Arhtritis – 2 Krankheiten. Die Erste hat die Zweite (das Rheuma) ausgelöst und es wurde, so zu sagen, zu einer Krankheit. Es ist schwierig für mich damit umzugehen und es beten auch echt viele Menschen für mich. Ich habe eine Freundin die mich mit sämtlichen Teesorten und Naturheilmedikamenten zu gebomt hat. Klar fand ich das total nett aber ich bezweifle, dass diese Mittelchen was bringen. Ich möchte auf Jesus vertrauen und auf die Medikamente die ich vom Arzt bekomme. Ist ja schön wenn es anderen Leuten geholfen hat aber mich verunsichert es nur weil ich dieses ganze Zeug gar nicht will. Aber ich kann ja nicht zu ihr sagen: "Joa schön dass du dir die Mühe machst und mir dieses ganze Zeug besorgst aber ich werde das nicht nehmen." Aber egal was ich habe, ob nun das Rheuma, die Schuppenflechte, Schwindelattacken oder Zusammenbrüche – Sie hat gegen jeden Zustand irgendeine Teesorte oder halt Mittelchen die das wegmachen sollen. SIe gab mir z.B. Schwedenkräuter. Die sollen fast alle Krankheiten bekämpfen aber ich will es eig. gar nicht ausprobieren.. Mir reicht es vollkommen wenn sie für mich betet.. Hast du vllt. einen Rat für mich?
    Ich danke dir, liebe Mandy, für deine immer wieder tollen Blogbeiträge! Sie helfen mir echt ungemein und ich bin echt froh dass du Gottes Message so verbreitest! Danke, danke, danke!
    God !!!!!
    Nora

  • Deborah:

    Meiner Meinung nach, kommt Krankheit und all der Scheiß vom Teufel, der alten Stinkebacke…. aber so sehr der da auch rumfuchtelt, er kann Gottes Pläne NIEMALS durchkreuzen, unabhängig von dem was passiert.
    Sehr ermutigender Blickwinkel auf Röm 8,28. Danke.
     
     
     
     

  • Berni:

    Hi Jesus Punk,
    ich finde deinen Beitrag auch toll, du hast echt recht ich muss gerade an mich selber denken wie oft ich schon jemanden solche Ratschläge geben habe aber es stimmt wenn man jemanden anbietet für ihn zu beten fühlt sich das für diesen Menschen viel besser an und selber hat man wenigstens etwas getan den Beten hilft und ist besser als irgendwelche lehren worthülsen wo nur weh tun! Vor allen Dingen solche Ratschläge kommen oft auch wenn man nicht weiss wie man helfen soll wenn man sich hilflos fühlt und Ich glaube das Beten hiflt dann beiden Seiten.
     
    lg.Berni

  • Nelly:

    Danke Mand

  • Anonymous:

    Hallo Mandy, super Beitrag, mach weiter so!
    Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass im Leid oder im Schmerz (= Krankheit/Schicksalsschläge) am besten Römer 12,15, wie es Mandy im Beitrag anführt, hilft, nämlich dadurch, wenn sich ein Mensch zum 'gemeinsamen Weinen und Klagen' bereit erklärt. Es weint und lammentiert sich leichter, wenn jemand da ist, der es 'mitmacht' oder einfach nur mitfühlen kann. Super Ratschläge, die ja wirklich auch Sinn haben und machen, empfand ich zwar nicht schlecht, hatten aber zum Zeitpunkt meiner Klage und Trauer keinen Platz. 
    Gottes Segen

  • Hallo Mandy,
    gut, dass du dieses Thema ansprichst. Da ich selbst mein Leben lang sehr krank war, weiß ich aus Erfahrung, wie es einem mit den gut- oder auch weniger gutgemeinten Ratschlägen geht. Viel schlimmer ist es allerdings, wenn Leute vor dir wegrennen, weil du sehr krank oder gar todkrank bist. Im letzten Jahr erkrankte meine Nachbarin an einem extrem bösartigen unheilbaren Tumor. Die Ärzte gaben ihr maximal ein halbes Jahr. Es war anfangs sehr schwer mit ihr gemeinsam dieser grausamen Wahrheit ins Auge sehen zu müssen. Sie musste und wollte für ihre Familie stark sein, die alle nicht wussten, wie hoffnungslos sie erkrankt war. Ich durfte ihr aus diesem Grund eine Zufluchtsstätte bieten, wo sie weinen konnte und alle Angst aussprechen durfte. Seit ein paar Monaten ist sie tot. Aber für mich war die Zeit mit ihr wichtig, weil ich durch die zwischen uns entstandene Offenheit erst in der Lage war zu erkennen, was ihr in welchem Moment am besten tut. Wir waren zeitweise sehr traurig oder bestürzt über die schlimmer werdenden Schmerzen. In erster Linie aber haben wir miteinander viel Zeit verbracht und erstaulicherweise auch sehr viel gelacht. Es war schön für jemanden da zu sein, ihn trösten zu können, einfach indem ich ihr zuhörte und an ihrem Leben Anteil nahm. Übrigens blieben fast alle Bekannten und Verwandten schon kurz nach der niederschmetternden Diagnose aus.  Angst und Unsicherheit hielten sie von den sonst üblichen Besuchen ab. Ich bin dankbar, dass Gott mir und meinem Mann den Mut schenkte, die Nachbarin nicht mit feigen Worthülsen  abzuspeisen. So durften wir ihr beinahe ein ganzes Jahr auch als Freunde beistehen.

  • Sabine:

    Danke Mandy möchte noch hinzufügen das ich meinem Part sucht essen hurerei nicht außer acht lassen will…………………………..

  • Ähm, sorry das kapier ich gerade nicht Sabine?

  • Sabine:

    ich werde dir über pn nachricht geben erwarte rückruf aus krh

  • Sandra:

    Hallo Mandy, vielen Dank für diesen Beitrag! Ich habe im letzten Jahr Römer 8, 28 auch ein paar Mal zu oft gehört und oft auch das Gefühl gehabt, Freunde verstehen meine Situation einfach nicht. Sie glauben zwar es zu verstehen, aber sie können es einfach nicht. Inzwischen wird es immer schwieriger für mich, mit diesen Leuten zusammen zu sein…
    Wie bist du mit so etwas umgegangen bzw. wie gehst du heute mit denen um, die damals auf so naive Weise "helfen" wollten?

  • Tobias:

    Römer 8,28 ist mir im Jahr 2007 so richtig ins Herz gewachsen, als ich mich mitten in der grössten Lebenskrise wiederfand. – Es ist in der Tat verletzend, wenn gutgemeinte Rat-Schläge kommen, um die man nicht gebeten hat.
    Ein grosses Geschenk ist es, wenn ich an den Punkt kommen darf, Äusserungen von anderen als ihre persönliche Sicht anzusehen und mir die Zeit nehme, einfach zu prüfen und das Gute zu behalten – alles Andere sagte dann mehr über den Anderen aus und war wohl nicht für mich bestimmt.

    Vorbeikommen, einfach da sein und zuhören – oder Anteil nehmen.

    Es ist für viele Menschen sehr schwer, mit der eigenen empfundenen Ohnmacht umzugehen und so manches Mal ist es wohl so, dass derjenige, der kam, um Anteil zu nehmen, reich gesegnet wieder nach Hause gehen darf.

    Gott ist in seinem Handeln wirklich oft sehr lustig – da wird der Anteil nehmende gesegnet durch den Leidenden. Hiob wurde von Gott aufgefordert, für seine verurteilenden und rat-schlagenden Freunde zu beten. Voll Krass – doch er kannte Gott.

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