Ein Zwillingspärchen unterhält sich im Bauch der Mutter

„Sag’ mal, glaubst Du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?“  fragt der eine Zwilling.

Ja, auf jeden Fall! Hier drinnen wachsen wir und werden für das, was draußen kommen wird, vorbereitet“, antwortet der andere Zwilling.

„Ich glaube, das ist Blödsinn!“ sagt der erste. „Es kann kein Leben nach der Geburt geben – wie sollte das denn bitteschön aussehen?“

„So ganz weiß ich das auch nicht. Aber es wird sicher viel heller als hier sein. Und vielleicht werden wir herumlaufen und mit dem Mund essen?“

„So einen Unsinn habe ich ja noch nie gehört! Mit dem Mund essen, was für eine verrückte Idee. Es gibt doch die Nabelschnur, die uns ernährt. Und wie willst du herumlaufen? Dafür ist die Nabelschnur viel zu kurz.“

„Doch, es geht bestimmt. Es wird eben alles nur ein bisschen anders.“

„Du spinnst! Es ist noch nie einer zurückgekommen nach der Geburt. Mit der Geburt ist das Leben zu Ende, Punktum.“

„Ich gebe ja zu, dass keiner weiß, wie das Leben nach der Geburt aussehen wird. Aber ich weiß, dass wir dann unsere Mutter sehen werden, und sie wird für uns sorgen.“

„Mutter???? Du glaubst doch wohl nicht an eine Mutter? Wo ist sie denn bitte?“

„Na hier – überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht sein!“

„Quatsch! Von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also gibt es sie auch nicht.“

„Doch, manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören. Oder spüren, wenn sie unsere Welt streichelt.“  

 

Die Geschichte ist von Henri J. M. Nouwen, Die Gabe der Vollendung. Mit dem Sterben leben, Freiburg: Herder 1994, S. 36-37. Das englische Original lautet: Inside the womb. A Parable by Maurice Lamm, inspired by Israeli rabbi Y. M. Tuckachinsky, from: Maurice Lamm, The Jewish Way in Death and Mourning, New York: Jonathan David Publishers 1969, p. 222-224. Foto: adoption_is_luv/flickr.com

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16 Kommentare zu „Ein Zwillingspärchen unterhält sich im Bauch der Mutter“

  • Christoph:

    Die Geschichte ist von Henri J. M. Nouwen, Die Gabe der Vollendung. Mit dem Sterben leben, Freiburg: Herder 1994, S. 36-37.
    Das englische Original lautet: Inside the womb. A Parable by Maurice Lamm, inspired by Israeli rabbi Y. M. Tuckachinsky, from: Maurice Lamm, The Jewish Way in Death and Mourning, New York: Jonathan David Publishers 1969, p. 222-224.

  • Ah vielen Dank Christoph! ;-)

  • Dorena:

    zum heulen schön ! Danke.Gruss Dorena

  • maren:

    …bei mir kullerten auch gerade Tränen…werde die Geschichte meinen Zwillis nachher mal vorlesen :)
    LG Maren

    • Ja dann passt das ja besonders. Wie alt sind deine Zwillinge denn? Mädchen, Junge? Beides?

      • maren:

        zwei gleiche Mädels, 10 Jahre alt…
        Sie haben als sie 5 Jahre alt waren den Tod ihres Opis hautnah mitbekommen und letztes Jahr die 100jährige Uroma verabschiedet. Beide wurden seebestattet, aber für die Mädels ist klar, dass da nur der Körper drin war, die Seele ist jetzt “im Himmel”, ihr Blick geht stets nach oben, wenn sie von ihnen reden. Auf die Frage, was für sie der Himmel ist, wird eine Wiese beschrieben, wo sich alle wiedertreffen. Und wer möchte, wird wiedergeboren, auch als Wurm oder als Baum…Also, so in der Form habe ICH ihnen das nicht erzählt :) , aber ich finde die Vorstellung toll! Andererseits winken sie jedes Mal, wenn wir über die Fehmarn-Sund-Brücke fahren, der Omi und dem Opi zu, Richtung Wasser…

        • Traurig und schön zugleich. ;-)

          Vorallem das Winken. Es ist gut, denke ich, seinen Kids das mitzugeben, was man selbst glaubt und woran man sich im Leben festhalten kann!

          Das machst Du gut Maren. Dich und deinen Kindern.

  • Chris:

    eine wunderschöne Geschichte, die ich immer wieder gerne lese. Aber sie ist noch nicht zu Ende, der letzte Absatz fehlt:

    So waren die letzten Tage im Schoß der Mutter gefüllt mit vielen Fragen und großen Ängsten. Schließlich kam der Moment der Geburt. Als die Zwillinge ihre Welt verlassen hatten, öffneten sie die Augen und was sie sahen, übertraf ihre kühnsten Träume und Vorstellungen.

  • Anke Schwan:

    Wunderschön!

  • Walter Tepper:

    Hallo Mandy,

    eine wunderschöne Geschichte, vielen Dank dafür! Übrigens, in ähnlicher Form gibt es sie auch im Buch “Das Haus der Geschichten” von Thomas Franke. Dort geht es um den Traum eines werdenden Vaters, der dann auch der Auslöser für seinen Glauben an Gott wird… Sehr zu empfehlen, das Buch – es ist voller Metapher, die es leichter machen, manches, womit man sich auseinandersetzt, wenn man erste Schritte mit Jesus macht, zu verstehen… Wie z. B. sich mit dem Thema “Tod” auseinandersetzen zu müssen, worum es ja auch in der Geschichte aus diesem Beitrag geht. Oder – warum es für Jesus, obwohl er Gottes Sohn war und auch so handelte, und darüber hinaus viele sichtbare Wunder tat, trotzdem nie leicht war, (alle) Menschen dazu zu bewegen, ihm nachzufolgen…

    Liebe Mandy, ich möchte dir dafür, was du hier tust, für all das – dein Blog, dein Seelen-Futter, die Bilder und Videos, für deine Ehrlichkeit und Frische, von ganzem Herzen danken! Für all diese Liebe, die aus den Zeilen deines Blogs einem Menschen entgegenkommt und ihn umhüllt – vielen, vielen Dank dafür!
    Du wurdest von unserem Papa berührt und eins kann ich dir sagen – er hat dich ganz besonders gern!

    Ich bewundere dich und das, was Papa durch dich in unseren Herzen und Seelen erreicht…

    Walter Tepper.

  • Ich kenne es als Gedicht:

    Glaube, Zweifel, Skepsis!    

    Im Bauch einer Mutter, ganz ohne Beschwerden, da warten drei Babies, geboren zu werden.
    Charakterlich sind sie, das merkt man schon sehr,
    in jeder Beziehung wohl gänzlich konträr.    

    Das Eine ist gläubig, und glaubt ganz bestimmt, dass nach der Geburt ein Leben beginnt.

    Das Zweite hingegen bezweifelt dies` sehr und wankt mit der Meinung bald hin und bald her.

    Das Dritte ist skeptisch in allen Belangen und in dieser Skepsis auch gänzlich gefangen.    

    Wir woll´n  nun ganz heimlich die Babies belauschen, was sie so beschäftigt, worüber sie plauschen.    

    Der Zweifler, der stellt an die Andern die Frage: „ Was glaubt ihr wohl, wie ist unsre Lage? Sagt mir doch überhaupt ob jemand daran glaubt, dass es wirklich auch eben nach der Geburt ein Leben wird geben?“    

    Der Gläubige, Kleine, entrüstet jetzt war: „Wie kannst du nur zweifeln, das ist doch ganz klar. Nach unsrer Geburt ist für`s Leben erdacht, dass wir wachsen, gedeihen bei Tag und bei Nacht, um gerüstet zu sein und ganz konzentriert für alles was  auf uns einst zukommen wird.“                      

    Das Skeptiker-Baby, auf der Stirn mit viel Falten, sagt: „ Das ist doch ein Blödsinn und nicht auszuhalten. Könnt ihr mir sagen, drum bitt´ich euch schön, wie sollte das Leben nach der Geburt wohl ausseh´n?“.    

    Der Gläubige sagt drauf ganz pfiffig und schlau: „Du kannst `s nur vermuten, nicht wissen genau. Aber eines ist sicher, das sage ich dir, es wird sein viel heller, viel heller als hier. Wahrscheinlich kann jeder dann hüpfen und laufen, mit dem Mund etwas essen und Atemluft schnaufen“.    

    Der Skeptiker aber, der lässt das nicht gelten, und fängt auch gleich an darüber zu schelten: „Ich kann euch nur sagen es gibt gar kein Licht. Hüpfen und Laufen ebenso nicht. Mit dem Mund etwas essen das kannst du vergessen. Um dich zu ernähren da gibt es wohl nur hiezu die beliebte Bauchnabelschnur. Ein Leben dann also nach unsrer Geburt ist nach meiner Meinung gänzlich absurd. Weil die Nabelschnurlänge höchstens vielleicht, auch wenn sie sich dehnt, bis zum Ausgang nur reicht.    

    Der Gläubige lässt  sich  den eigenen Glauben durch die skeptischen Worte auf  keinen Fall rauben, und beharrt fest und eisern auch weiter darauf auf den so erhofften Lebensablauf.    

    Auch der Skeptiker nur bleibt weiterhin stur. Und ergreift auch sofort sein skeptisches Wort: „ Überleg´ doch genau und sieh´ es doch ein, das, was du da glaubst, das kann gar nicht sein. Man hat es noch niemals und nie nicht vernommen, dass jemand  zurück nach der Geburt sei gekommen. Da gibt`s keine Wende, das Leben das war, das ist dann zu Ende, das ist doch ganz klar. Und auch für uns Drei ist das Leben vorbei, ist alles beendet was das Mutterband spendet“.    

    Der Gläubige sagt: „Das ist ganz verkehrt. Du hast doch vom Dasein der Mutter gehört. Ich bin, und  das sag´ ich zum X-ten mal schon, ganz sicher und fest überzeugt nun davon, dass nach der Geburt, so wird es gescheh´n, wir unsere Mutter dann selbst können seh´n“!    

    Doch wieder gibt dem Glaubenskämpfer der Skeptiker gleich einen Dämpfer, als er ganz überzeugend spricht: „ Eine Mutter gibt es nicht! Das müsst ihr euch doch eingesteh´n, niemand hat sie je geseh´n. Und alles das gibt`s nicht sodann was man nicht erblicken kann.“                      

    Da sagt der Gläubige zum Schluss: „ Kommen wird, was kommen muss. Und wer `s nicht glaubt, der ist sehr dumm, die Mutter ist um uns herum. Wir sind von ihr umgeben. Sie erhält uns doch am Leben. Glaubt es doch und seht es ein, ohne Mutter gibt `s kein Sein.    

    Wenn ihr still seid, tut nicht stören, könnt ihr die Mutter oftmals hören. Oder spürt, wenn streichelt ihre Hand, von unsrer Welt die dünne Wand. Als möcht’ sie sagen, kommt heraus, das Leben ist damit nicht aus. Glaubt mit Festigkeit daran, es fängt ein neues Leben an.“    

    Nach dieser Baby-Plauscherei war´n sehr ermüdet alle Drei, und schliefen, wie soll`s anders sein, im Bauch der Mutter friedlich ein.    

    Wir Lauscher sollten uns nun fragen, was wollten uns die Babys sagen? Erkennen sollen wir darin des Gespräches tiefen Sinn.  

    T.N. im August 2003 (Sinngemäß entnommen aus einem Glaubensgedenkblatt unbekannter Herkunft)      

  • Peter:

    Ja, die kenne ich auch schon lange – echt genial, hab ich vor einigen Wochen mal wieder für eine Andacht verwendet. Dazu habe ich auch schon mal ein geniales Anspiel vor einer Predigt zu gesehen…

  • Bernd Zündorf:

    Die Geschichte kenne ich zwar schon, aber es ist immer wieder gut, sie zu hören bzw. zu lesen. Wie muss Gott nur über uns denken, wenn wir mit unserem Verstand versuchen zu begreifen, was nach dem Sterben kommt.

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