„Hochsensibel?? – Stell Dich nicht so an!“

Teil 2 meiner Themenreihe zur Hochsensibilität. – zu Teil 1, klick hier


Als Läuferin benötige ich für einen Kilometer ca. 5:45 Minuten. Wenn ich mich anstrenge, dann schaffe ich einen Kilometer auch in ca. 5:00 Minuten, viel mehr ist nicht drin – einen Marathon werde ich in diesem Tempo nicht laufen können. Ich würde nach (sehr) wenigen Kilometern erschöpft zusammen brechen. Ich wäre total enttäuscht und verärgert mein Vorhaben nicht geschafft zu haben.
 

Woran liegt das wohl? Am mangelnden Willen? Oder liegt das vielmehr an der Tatsache, dass mein Körper dieses Pensum nicht durchhalten kann


Doch andere schaffen das!!! Wie kann das sein? 
 

Läufer


Schau Dir die kenianischen und äthiopischen Läufer an, die ganz vorn mitlaufen. Wenn Du einmal an der Strecke standest und diesen Windhauch gespürt hast, wenn diese Gazellen an Dir vorbei flitzen (oder sollte ich lieber fliegen schreiben?) dann ist das schon faszinierend und bewunderswert.


Der Bayreuther Sportwissenschaftler Walter Schmidt erklärt:

„Wir haben herausgefunden, dass ostafrikanische Läufer über einen anderen Körperbau verfügen als Europäer oder Amerikaner. Sie haben im Verhältnis zum Oberkörper wesentlich längere und sehr schlanke Beine.“

Schon geringe Gewichtsunterschiede an den Beinen verhelfen Läufern zu einem merklichen Vorteil, weshalb Athleten im Wettkampf deutlich leichtere Schuhe tragen als im Training.

„Geringeres Gewicht bedeutet eine deutlich bessere Laufökonomie“, fasst der Forscher zusammen.

Darüber hinaus haben die Wissenschaftler herausgefunden, dass die afrikanischen Athleten ein Enzym besitzen, das ihren Fettstoffwechsel begünstigt: Sie benötigen für dieselbe Laufgeschwindigkeit weniger Sauerstoff und produzieren dennoch weniger Milchsäure als europäische Laufkollegen – mit dem Ergebnis, dass sie langsamer ermüden und ihr volles Leistungspotenzial deutlich länger abrufen können als Athleten hierzulande.

Darüber hinaus haben westafrikanische Läufer eine besonders stabile Achillessehne. „Über 50 Prozent der Energie beim Laufen stammt aus der Achillessehne, sie funktioniert als ein wichtiger Energiespeicher“, erläutert Markus Gruber, Trainings- und Bewegungswissenschaftler an der Universität Potsdam.  – Quelle: FOCUS online


Als Mitteleuropäerin werde ich dieses enorme Tempo – trotz intensiven Training – also nicht schaffen. Das ist keine Entschuldigung, sondern ein Fakt!


Warum erzähle ich das? Weil ich Dir damit zeigen möchte, dass wir Menschen uns im ersten Moment ähnlich sehen und doch grundverschieden sind! Das betrifft nicht nur unseren Körper, sondern auch unsere Seele!
 

Anders sein bedeutet nicht verkehrt zu sein!

Vergleichen bringt nichts – niente – die Bohne, da ja völlig unterschiedlich Vorraussetzungen gegeben sind. So nehmen hochsensible Menschen jegliche äußere Reize (Gerüche, Geräusche, Stimmungen, Licht, grober Stoff auf der Haut) viel intensiver war, als Nicht-Hochsensible Menschen (siehe 1. Teil).

Sie (er)tragen nicht nur ihre eigenen Gefühle und Stimmungen, sondern auch die der Menschen um sich herum. Das macht ihr Leben in bestimmten Bereichen wesentlich schwerer, als das Leben anderer. Umso wichtiger ist es aufzuklären! Denn hochsensible Menschen stellen sich nicht einfach blöd an!
 

Kenianer und Äthiopier haben einen anderen Körperbau als wir – sie leisten mehr als wir! Zumindest wenn es ums Laufen geht. Denn, so die Experten: „Beim Radfahren oder beim Schwimmen spielt die Muskelkraft eine viel wichtigere Rolle.“ und davon haben wir Europäer mehr. Ätsch  😉
 

 Handabruck


Vielleicht hast Du als hochsensibler Mensch Minderwertigkeitsgefühle
– trotz schöner Kindheit, die scheinbar keine tiefgehenden Verletzungen gebracht hat?! 

Verdamme Dich nicht dafür, sondern lerne Deine Stärken und auch Deine Schwächen schätzen! Schritt für Schritt beim persönlichen Marathon Deines Lebens! Wenn mehr von Dir verlangt wird, als Du leisten kannst – dann wirst Du das auf Dauer nicht packen. Das ist ein Fakt, auch wenn es im Alltag oft bequemer wäre und es auch immer wieder von anderen verlangt wird, kannst Du nicht "mal eben alles schnell runterreisen" wie das vielleicht eine andere Person kann.

Du musst Deine Stecke auch nicht in 5 Minuten zurück legen. Und wenn Du nicht läufst, dann gehst Du eben oder nimmst das Fahrrad. Jeder nach seinen Möglichkeiten! 

Diese Nische der Möglichkeiten zu finden – gerade auch im beruflichen Bereich – ist schwer, da brauchen wir uns nichts vormachen. Leider habe ich auch keine pauschale Lösung dafür. Damit würde ich wohl reich werden 😉
 

Lerne gesunde Grenzen zu setzen!

In der Bibel steht: "Liebe den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit ganzem Verstand und mit all deiner Kraft!'  An zweiter Stelle steht: 'Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!' Kein anderes Gebot ist wichtiger als diese beiden." – Markus 12, 30-31


Selbstliebe wird gerade in der frommen Szene fast schon als Sünde bezeichnet. Doch ich halte gesunde Selbstliebe für ein erfüllendes und glückliches Leben für absolut wichtig! Es geht dabei nicht um Egoismus oder Narzismus, sondern um das Wahrnehmen eigener Bedürfnisse und Grenzen, die dauerhaft nicht überschritten werden sollten.

Gerade hochsensible Menschen, sollten lernen ihre Bedürfnisse wahrzunehmen, sie zu akzeptieren und ihre Grenzen (rechtzeitig) abzustecken. Besonders auch anderen Menschen gegenüber!


Praktisches Beispiel:

Jemand bittet Dich für ihn den Umzug zu erledigen. Doch mit dem Wohnungsinhalt von A nach B schleppen ist es nicht getan. Nein, Du sollst auch noch die Schränke einräumen, für schicke Deko sorgen und natürlich was zu Essen kochen, war ja schließlich ein langer Tag. Ja, ich gebe zu das ist ziemlich überzogen … doch hier ist es früh genug dran zu sagen: "Ich helfe Dir dabei Dein Zeug in die neue Wohnung zu bringen. Mehr schaffe ich nicht." Punkt. Oder auch: "Mir ist die Möbelschlepperei zu schwer, ich koche aber gerne für uns."
 

Du solltest nicht einfach hingehen, bei Startschuss die Wohnung leer räumen und dann mit schwindenden Kräften die Schränke einräumen und dann … nein, klare Ansage vornweg machen! Das erspart Dir unnötigen Druck, Stressmacherei und Gestammel, weil Du nicht weißt wie Du Dich nun losreißen sollst. 
 

Ich bin nicht hochsensibel, dennoch ist es natürlich auch für mich wichtig mich abzugrenzen. Soweit ich das selbst einschätzen kann, bin ich (meistens) ganz gut darin. Geholfen hat mir dabei zB., mit Versprechungen sehr vorsichtig umzugehen. Jetzt zum Thema Hochsensibel, habe ich im Vorfeld groß von "Themenreihe" gesprochen und gestern stellte ich dann fast schon erschrocken fest: "Hm, was hab ich denn dazu noch zu sagen (als Nicht-Betroffene ist das etwas schwierig) bzw. wie soll ich all die Erfahrungsberichte der Menschen unter einen Hut bekommen??" – Wieder mal hat sich bestätigt: Versprechungen machen kann unter Druck setzen und Druck tut zumindest mir nicht gut. Da habe ich meine Grenze dezent überschritten. Also gut merken, für die nächste "Themenreihe"  😛 


Mach Dich nicht zum Opfer Deiner Gefühle!

Jeder Mensch braucht Orientierung, eine Bestimmung, eine Berufung – wie auch immer Du es nennen magst. Eben ein Ziel worauf er hin arbeitet. Oftmals ist das langer und steiniger Weg, auch für Menschen die nicht hochsensibel sind. Behalte das bitte immer im Blick. Bezeichne andere nicht als unsensibel, rücksichtslos oder sogar kalt, nur weil sie scheinbar nicht das empfinden was Du empfindest. Viele reden auch gar nicht drüber, Du weißt nie wie es in jemand anderem aussieht.

 

Du kannst und vorallem musst nicht die Welt retten!

Tim Bendzko singt: "Muss nur noch kurz die Welt, retten … " – schöner Song, aber mach ihn nicht zu Deinem Lebensmotto. Du musst nicht die Welt retten, das hat schon ein anderer getan. Trete einen Schritt zurück!

Viele der hochsensiblen Menschen, die sich bei mir gemeldet haben arbeiten in ….. – na, rate mal?! …. sozialen Berufen! Stichwort: Helfersyndrom. Keine Sorge, ich werde ganz bestimmt nicht jeder hochsensiblen Person ein krankhaftes Helfersyndrom andichten. Und doch ist es bei Hochsensiblen Menschen prozentual gesehen relativ weit verbreitet, das gute alte Helfersyndrom. Das wäre einen eigenen Blogartikel wert – deshalb möchte ich darauf gar nicht genauer eingehen. 

Doch vielleicht schaffst Du es Dich ab und zu selbst zu ermahnen nicht allen und jedem helfen zu müssen! Du bist auch nicht die Bügelmaschine, die ausbügeln muss, was andere vermasselt haben. Du musst und kannst die Welt auch nicht bis ins kleinste Detail verstehen. Hinterfrage nicht permanent das Verhalten anderer und überhaupt alles was um Dich herum passiert. 

Das heißt nicht, dass Du oberflächlich daher leben sollst, es soll viel mehr bedeuten, dass Du Dich nicht mit Sachen belasten sollst – die Du nicht ändern bzw. erklären kannst, so sehr Du Dich auch abmühst.


Gebet kann ein wunderbares emotionales Ventil sein!

Ja, ich habe gut Reden. Ich kann Dir aus meiner Warte nur raten, Dich jemandem anzuvertrauen. Und der, der das am Besten aushalten kann ist Gott!  Er wird Dich nicht zurück weisen. Vielleicht fällt es Dir schwer mit ihm über Sachen zu sprechen, die Du noch nie jemanden anvertraut hast – vielleicht weil Du Dir manche Gefühle auch selbst noch gar nicht zugestanden hast, aus Angst nicht "normal" zu sein. Machs trotzdem, überwinde Dich! Du schaffst das!

Und wenn Du gerade schon mal in der Leitung bist, dann frage ihn doch mal was Deine Aufgabe in ganz bestimmten Bereichen Deines Lebens ist, was sollten andere Personen tun und wann springt er in die Bresche?!


Du kannst als Christ den Menschen dienen, ohne dich darin selbst zu verlieren und Dich zu vernachlässigen!

Auch diese Aussage zu vertiefen, wäre einen extra Blogartikel wert.

Soviel schon mal vornweg: Gott ist nicht Dein Arbeitgeber, er ist Dein liebender Papa und dein Freund! Er kennt Dich besser, als jeder andere und er weiß was er Dir zutrauen kann.


Jetzt noch ein ganz praktischer Tipp, den mir eine Freundin gestern Abend gab:

Egal wo Du hingehst, achte darauf, dass Deine Grundbedürfnisse gedeckt sind!


Nimm Dir eine Flasche Wasser mit, falls Du Durst bekommst. Stecke einen Apfel, eine Banane oder einen Schokoriegel in Deine Tasche. Denn: "Du bist nicht Du, wenn Du hungrig bist …"  😉 Damit könnte die Werbung (Snickers) außnahmsweise mal Recht haben!

Trage nach Möglichkeit gemütliche Schuhe, so verhinderst Du unangenehme Blasen. 

So bist Du schon mal gut gewampnet und musst Dich neben all den anderen Eindrücken und Reizen nicht noch darum kümmern, wo Du jetzt auf die Schnelle was zu essen her bekommst etc.


And the Last not but Least, ein letzter Hinweis meiner Wenigkeit: Unterdrücke Deine Gefühle nicht, sonst stauen sie sich an und irgendwann explodierst Du! Nimm sie wahr, sprich sie an, schreib sie auf, bete, vielleicht machst Du mit Deinem Partner oder einem Freund nen Deal, dass ihr täglich 10-15 Minuten darüber sprecht.
 

Setze auch Dich auf Deine Prioritätenliste … nicht nur die anderen!!

Du brauchst das, damit es dir gut geht!

In diesem Sinne: Schön, dass Du da bist und vielen Dank für Deine Zeit und Wertschätzung, die Du mir beim Lesen geschenkt hast! Ich geh jetzt Laufen!


Gottes fetten Segen und schönes Wochenende!

Deine Mandy

 


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Dieser Beitrag wurde am 8. September 2017 veröffentlicht.

17 Gedanken zu „„Hochsensibel?? – Stell Dich nicht so an!“

  1. Hauskreis Heydorn

    ein super wichtiger artikel nicht nur für hochsensible christen. leistungsdruck und vergleichen unter christen ist mist!!

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    1. Sandra

      Leider bin ich auch in diesem Falle geraten, doch mit Jesus Christus an der Seite heil herausgekommen , danke dir my der ABBA in Jesus Namen für all deine Liebe und Guete und die Kraft und den Mut, welchen du uns täglich schenkst…

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  2. Claudia

    ooooh das ist so wahr, und gerade in christlichen kreisen wird sich viel zu viel verglichen. sätze wie „mein tag hat 24 stunden – und deiner?“ (meiner nicht, weil ich 8 stunden davon schlafe) oder „hab du erstmal kinder“ (zum glück vorbei) oder „ich mach das doch auch, warum kannst du das nicht?“…. fromm verkleidet oder auch nicht. das schafft SO viele verletzungen! jesus wird im johannesevangelium regelmäßig stinksauer, wenn die jünger sich untereinander vergleichen. gerade für uns sensible und schwache, die, die nicht so viel aushalten, ist er doch da! mensch.

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    1. Bithya85

      Und wie, Namensvetterin 😀 Schon alleine dieses Unbewusste „Der kann besser beten, also ist er wohl ein besserer Christ!“ oder „Die da ließt jeden Tag 5 Stunden in der Bibel, die hat so ein gutes Verhältnis zu Gott!“ Traurig, finde ich. Dieses wortgewandte Beten ist einfach nicht mein Stil, ich komme mir dann komisch vor, weil ich ja auch im normalen, alltäglichen Gespräch nicht so geschwollen rede. Und Bibellesen ist bei mir sowieso ein Kapitel für sich. Habe lange gedacht, ich sei deswegen schlechter als alle anderen. :-(

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      1. Susanne

        Ich erhebe Einspruch! 😛 WER sagt denn, dass wir „nicht so viel“ aushalten. Das Gegenteil ist der Fall. Wir nehmen viel mehr Eindrücke auf (vermutlich) – also halten wir viel mehr aus. das bindet Energie die nicht sichtbar ist wie ein „Handwerk“

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        1. Bithya85

          Naja, ich kann nur von mir sprechen, ich hab nie wirklich Vollzeit arbeiten können. Es ist jedes mal in die Hose gegangen, weil ich nicht so belastbar bin. Aktuell arbeite ich 27 Stunden, das ist das Maximum, was ich auf Dauer schaffe. Und so bin ich auch ausgelastet. Vor Kurzem musste ich zwei Monate lang 32 Stunden arbeiten, weil zwei Kolleginnen ausgefallen sind, das ging kurzzeitig gut, aber nach diesen zwei Monaten bin ich so fix und alle, dass ich beinahe zusammen gebrochen wäre. Länger hätte ich das nicht geschafft.

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  3. Eve

    Der Artikel kam gerade recht – eigentlich weiß ich über dieses Thema recht gut Bescheid (theoretisch… :-)), aber gerade hatte ich mal wieder ein schlechtes Gewissen, dass ich mich zurückgezogen hatte, weil ich Stille brauchte und keine akustischen Impulse mehr ertrug. Danke, Mandy!

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  4. Gertrude

    Und wieder ein Volltreffer! Was geschieht denn, wenn man nicht mehr auf sich selber aufpaßt? Man verliert seine Kraft, bricht zusammen und kann seine Aufgaben nicht mehr wahrnehmen! Erst recht dann nicht, wenn man als hochsensibler Mensch ohnehin durch die permanente Reizüberflutung belastet ist. Nein, ich muß keinen überzogenen Ansprüchen genügen! Ich darf echt ich selbst sein, auch mit meinen Schwächen! Nein, ich muß nicht die Welt retten. Wie schön, dass Jesus das schon für mich getan hat! Ich kann mich auf das fokussieren, was wirklich wichtig ist und was Gott selbst mir ans Herz legt.

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  5. Anonymous

    Als ich U-30 war bin ich die 10km unweit 40 Minuten gelaufen, heute mit 56 (U60 haha) verende ich bei ca 55-65 Minuten. Natürlich spielt Begabung eine große Rolle, also Dinge, für die niemand nix kann, und das Alter, Gesundheit usw. Aber dennoch halte ich dafür, dass das Training wesentlich den Milchsäurehaushalt, Ruhepuls, Belastungspuls beeinfusst. Heisst z.B. würden die Afrikaner sich mehr Mühe geben, Muskelkraft aufzubauen, könnten sie vielleicht den Ironman dominieren so wie die Marathons.
    #Selbstliebe: Jesus lehrt, dass jeder sich selbstverständlich liebt und genauso soll jeder seinen Nächsten lieben wie sich selbst. Ich soll für jemand anderen der Nächste werden. Selbstliebe muss normalerweise nicht extra betont oder gelehrt werden (ausser vielleicht bei Menschen ohne Selbstwertgefühl) und kann leicht in die Irre führen. Natürlich ist es gut und richtig, sich abzugrenzen und ein „nein“ ohne schlechtes Gewissen sagen zu können! Gerade daran leiden viele Pastoren / Christen etc. dass sie nicht nein sagen können und für quasi alles zuständig sind.
    https://www.bibleserver.com/text/LUT/Markus1,37-38
    Was mich nervt ist: Das Hauptgebot Jesu, Gott zu lieben wird quasi nicht mehr verkündigt und den Nächsten zu lieben wird ersetzt durch Selbstliebe.
    So oft, wenn einer diesen Text nimmt, betont er überdimensional die Selbstliebe. Dabei: Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. Niemand hat jemals sein eigenes Fleisch gehasst…
    https://www.bibleserver.com/text/ELB/Epheser5%2C28-29
    http://www.bibleserver.com/text/EU/2.Timotheus3,2
    Die Menschen werden selbstsüchtig sein…ohne Ehrfurcht….
    Guck doch, was los ist, wenn Hungersnot ist, die Leute (fr) essen sich im Zweifel gegenseitig auf.
    Ganz viel von scheinbar mangelnder Selbstliebe ist nichts anderes als Selbstliebe. Und die Therapie für den Menschen wäre: Kümmere dich mal um einen Anderen. Vielleicht auch erst mal ein Tier :_) !!
    Spende doch mal was von deinem Geld! Komm raus aus der Opferrolle!!! Lass das Händchenaufhalten sein und probiere es noch einmal. Klasse! Joggen fängt mit 1-2km an, die irgendwie auch mal weh tun und optisch (scheiße) aussehen. Aber joggen kann ein Teil des Ausweges aus der Depression sein!!
    https://www.welt.de/sport/fitness/article140879293/Warum-Laufen-bei-Depressionen-helfen-kann.html
    http://www.bibleserver.com/text/NLB/Sprüche26,13
    Schlussendlich, die Nr 1 ist immer: Was willst du Herr, was ich tun soll? Jesus sollte am Kreuz sterben. Er wusste es – aber keiner von seinen engsten Freunden. Sie konnten es nicht fassen.
    Eine psychische Krankheit darf nicht mit der Mission Jesu verwechselt werden, manch einer muss gesund werden auch durch Abgrenzung, durch Vergebung seinen Schädigern, manchmal Eltern gegenüber – aber er / sie muss ganz gewiss nicht Gott vergeben – das ist auch solch eine furchtbare Grenzüberschreitung in „christlicher Lehre“, die einen fassungslos hinterlässt.
    Böse Taten, die einem widerfahren sind, sollten mit Namen benannt, ausgesprochen werden. Auch Defizite, warum sollte man sie nicht beklagen?
    Aber direkt nach der Vergebung – raus aus der Opferrolle!! Vergebung ist bereits aktiv! Wenn keine Vergebung dann weiter Selbstmitleid, Anklage, und die ganze miese Spirale….dann zwangsweise auch keine Vergebung von Gott, die ganze miese Spirale …the way to unhappiness

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    1. Anonymous

      Zum anderem anonymen Leser:

      „Was mich nervt ist: Das Hauptgebot Jesu, Gott zu lieben wird quasi nicht mehr verkündigt“ ..

      Das ist leider wahr. Dabei kann ich daran gut erkennen, was mir fehlt und wenn es so ist, dass ich Gott nicht liebe, dann kann doch nur Gott mein Ansprechpartner sein, denn wer sonst schafft das in mir.

      „Ganz viel von scheinbar mangelnder Selbstliebe ist nichts anderes als Selbstliebe.“ Das sitzt! Ich ahne, dass ich mich nicht davon ausnehmen kann.

      „Und die Therapie für den Menschen wäre: Kümmere dich mal um einen Anderen.“ Da habe ich allerdings meine Bedenken das so pauschal stehen zu lassen. Das ist sicher eine Therapieform, so wie Arbeitstherapie auch seine Berechtigung hat und sinnvoll ist, aber genauso wie die „Gabe des Lasten tragen“ (ich mag diese Definition nicht) kann das ganz schnell nach hinten losgehen, das weiß ich nicht nur von mir selbst, sondern von anderen Betroffenen. Ich denke auch hier ist es wichtig zu unterscheiden, zwischen dem was Gott einem zumutet und dem was ich mir selbst an Lasten auferlege, bei denen es manches Mal klüger wäre NEIN zu sagen. Allerdings sehe ich es genau so, dass viele Christen (ich schließe mich nicht aus) hilfefaul geworden sind. Mit Geldspenden oder schönen Reden ist es halt nicht getan, ich denke nur, das betrifft weniger Hochsensible, sondern alle Christen.

      „Eine psychische Krankheit darf nicht mit der Mission Jesu verwechselt werden, manch einer muss gesund werden auch durch Abgrenzung, durch Vergebung seinen Schädigern, manchmal Eltern gegenüber ..“

      Volle Zustimmung!

      „aber er / sie muss ganz gewiss nicht Gott vergeben – das ist auch solch eine furchtbare Grenzüberschreitung in “christlicher Lehre”, die einen fassungslos hinterlässt.“

      Eingeschränkte Zustimmung. Was ich bisher darüber gelesen und selbst erlebt habe ist, dass es tatsächlich hilft ehrlich mit Gott darüber zu reden, was man als ungerecht, unzumutbar, zerstörerisch, unverständlich erlebt hat und wo Gottes Handeln oder nicht Handeln Verletzungen hinterlassen hat. Dass Gott Liebe ist und aus Liebe handelt oder Handlung verweigert, diese Erfahrung setzt ein Grundvertrauen voraus, das nicht jedem von Anfang mitgegeben ist. Ich musste meine Verletzungen, meinen Groll, meinen Argwohn und mein Misstrauen ihm gegenüber loslassen. Das war nicht einfach. Dabei war mir jede Minute bewusst, dass ich Gott nichts zu vergeben habe, weil Gott Gott ist und er tun und lassen kann was er will. Es war keine Frage mangelnder Ehrfurcht, sondern eine Frage des Neuanfang. Ich denke wenn man „Gott vergeben“ mit „Loslassen“ übersetzt, dann trifft es das vielleicht besser. Aber in dem Moment als ich zum ersten Mal darüber las, dass ich Gott vergeben darf, wurde mir bewusst, dass ich zu ALLEM mit ihm kommen darf, sogar mit dem Gefühl dass er mir gegenüber zu hart handelt, da bin ich ja nicht alleine mit, die Bibel ist voll davon. Es war wie eine Erlösung, als ob Gott sagt: „Endlich zeigst Du mir was Du Dir wirklich denkst und fühlst..“ Erst vor Gott ausgesprochen konnte ich erkennen, wie falsch ich damit lag und seine Heilung und Liebe zulassen. Ich weiß jetzt nicht welche Ausführungen Du dazu gelesen hast und wenn sie Ehrfurcht vor Gott missen lässt, dann stimme ich Dir natürlich zu, aber ich weiß dass Gott kein Dunkel unserer Seele fremd ist und dass das reinigende Licht nur da rein kann, wo wir ihm die Tür öffnen.

      Insgesamt und Deinem Fazit, u., bin ich ganz Deiner Meinung und sehr froh darüber, dass Du nicht geschwiegen hast. Es hat mir selbst sehr geholfen und ich bin bewusst nicht geflüchtet. 😉

      „Böse Taten, die einem widerfahren sind, sollten mit Namen benannt, ausgesprochen werden. Auch Defizite, warum sollte man sie nicht beklagen?
      Aber direkt nach der Vergebung – raus aus der Opferrolle!! Vergebung ist bereits aktiv! Wenn keine Vergebung dann weiter Selbstmitleid, Anklage, und die ganze miese Spirale….dann zwangsweise auch keine Vergebung von Gott, die ganze miese Spirale …the way to unhappiness“

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  6. B.

    Jahrelang hab ich die Welt gerettet. Das Wort Hochsensibilität hatte ich nie gehört, ich wusste aber schon immer, dass ich anders bin. Dachte, dass, wenn Gott mir solche Gaben gegeben hat, ich sie auch ausgiebig nutzen muss. Das hab ich getan…..bis zur völligen Erschöpfung. Jetzt bin ich einfach nur noch kraftlos.

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    1. Bithya85

      Gönn dir Ruhe und Erholung, das darfst du. Jesus hat schon die Welt gerettet, wir müssen es nicht mehr tun. Nimm dir einfach die Zeit, die du brauchst. Gute Besserung!!!

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  7. Violetta

    Hallo Anonymous,

    mir gefällt, was Du schreibst.
    „Raus aus der Opferrolle , (…) “ finde ich sehr zutreffend. Wenn ich etwas tun möchte, dann tue ich das. Punkt.
    Möchte ich es nicht tun, lasse ich es. Punkt.
    Wenn ich also „die Welt retten“ möchte, dann tue ich das, weil ich es kann und nicht weil ich ein Opfer bin. Weil ich es will und es mir Freude bringt, das zu tun. Und nicht, für die fremde Anerkennung, dafür, dass Menschen es wahr nehmen. Gott sieht doch, was ich mache! ALLES!

    Kann ich es nicht, lasse ich es und tue etwas Anderes, was ich kann und mir Freude bringt. Wir alle haben die Freiheit, bewusst zu entscheiden, was wir tun oder nicht tun. Ich denke, wir haben mitunter verlernt, auf unser Herz zu hören.
    Oft fällt mir diese Einstellung auf: “ (…) ich habe so viel gegeben, ich bin so ein guter Mensch, immer habe ich alles gegeben, (…) und was bekomme ich ? “ Und: „(…) diese oder jene Umstände sind Schuld (…)“

    Wenn ich mich entscheide, Dieses oder Jenes zu tun, dann tue ich das doch letztendlich für mich! Weil ich glaube, dass es gut ist, dass es hilft! Ja, gewiss führen diese oder jene Umstände hier und dazu, dennoch habe ich doch mein Leben eigenverantwortlich in der Hand, indem ich entscheide, wie, wann ich was tue. Mit Gottes Hilfe.

    Ich habe neulich diese Worte in einer Predigt gehört: „Herr, nagele doch bitte die Anderen ans Kreuz, (…)“
    Genau diese Einstellung verdeutlicht unser “ (…) ich habe etwas Besseres verdient (…)!“ Und ich denke: Nein!, habe ich nicht! Jesus Christus hat sich soooo klein in unserer Welt gemacht, ich werde zum Glück nicht gekreuzigt, ER WURDE ES, ich bin so dankbar, dass ich nicht durch eine voll Spott und Hohn triefende Menschenmenge mit einer schweren Last, wenig bekleidet, blutend und zerschunden laufen muss, bespuckt und gedemütigt werde …

    Ich denke, wir alle sind, jeder von uns, einzigartig und wir müssen lernen, worin unser inniges Interesse liegt, was unser Potential, unsere Ressource darstellt.
    Natürlich leiden wir Menschen immer, wenn wir merken, dass wir einzigartig sind und benötigen Verbündete. Und die möge Gott jedem von uns senden, in lieben Menschen, die uns bestärken, auffangen und unsere Freunde sind.

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