“Wie kann ich Euch danken?”

Manchmal fragen uns die Leute, wie sie uns danken können für den warmen Tee, den Schlafsack und all die anderen warmen Sachen …  

Dann sage ich zu ihnen: "Wenn Du eines Tages weg von der Straße bist, dann geh zu den Menschen auf der Straße. Gib ihnen Tee, frage ob sie etwas brauchen und schenke ihnen Zeit. Gib nach Deinen Möglichkeiten."

Ich hoffe, das erfüllt Dich dann genauso, wie mich heute.


obdachlos Bierbaenke

 

Ich war als Jugendliche vier Jahre lang auf der Straße, kann mich zu einem guten Teil rein fühlen in dieses Leben. Vor allem in das der Junkies – obwohl ich längst nicht so tief und lang drin steckte und sich seitdem einiges geändert hat. 

Kurz nach meiner Therapie war es wichtig raus zu kommen aus dem alten Umfeld. Direkt zurück gehen, um zu helfen wäre nicht gut gewesen. Zu hohe Rückfallgefahr, emotionsmässig undenkbar …

Doch jetzt, fast 20 Jahre nachdem ich damals von "zuhause" abgehauen bin, mache ich das mit einer großen Liebe. Ich habe genügend Abstand von diesem Leben gewonnen, der sehr wichtig für mich war. Vor über drei Jahren bin ich zurück gekehrt in "meine" Stadt, die ich so sehr liebe. Die Leute auf der Straße sind nicht mehr die Leute, mit denen ich damals zusammen war … ich frage mich manchmal wo sie sind? Was wohl aus ihnen geworden ist? Einige wenige haben es geschafft. Meine beste Freundin (die ich seit der 5. Klasse kannte) starb mit ca. 24 Jahren, vermutlich an einer Überdosis … die Erinnerungen an sie tun noch immer weh. Ich verdränge sie. Vielleicht zu oft. 

Damals hörten wir oft "Nirvana". Curt Cobain (RIP), der Sänger, sagte mal: "Laut Wörterbuch lautet „Nirvana“ Freiheit von Schmerz, Leid und der äußeren Welt und das ist meiner Definition von Punkrock ziemlich ähnlich."

Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass die Menschen auf der Straße diese Freiheit ebenfalls erleben – weg von den scheiß Drogen, den Schmerzen, dem Leid … hin zur Freiheit und zur unendlichen Liebe Gottes, der jeden für wertvoll erachtet, egal wie kaputt er ist. Und der jeden die Freiheit lässt, zu sein wie er ist, ohne religiösen Zwang und Angstmacherei. 


Auf die Straße zu gehen, ist manchmal ziemlich anstrengend – man wird oft belogen. Und doch heilt es ein Stückweit meine Wunden von damals … das hätte ich nicht für möglich gehalten. Aber es funktioniert. 


In diesem Sinne, noch 5-6 Wochen werde ich es weiter tun. Dann ist der Winter erstmal wieder vorbei.


Mandy
 

 


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Dieser Beitrag wurde am 25. Januar 2018 veröffentlicht.

17 Gedanken zu „“Wie kann ich Euch danken?”

  1. Steffi

    Das klingt sehr ähnlich, wie meine Geschichte. Ich wünsche dir ganz viel Kraft und natürlich Unmengen an Segen :) bin unter der Woche immer Mal wieder in Berlin, falls du Mal Unterstützung benötigst, würde es mich freuen, Mal mitgehen zu dürfen.

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    1. GekreuzSiegt.de

      Danke. Das lässt sich schon mal machen, Steffi. Am besten wenn es Nachts nicht ganz so kalt ist. Je kälter es ist, umso höher die Wahrscheinlichkeit das wir jemanden in eine Notunterkunft bringen und dann brauchen wir 1-2 freie Plätze im Auto. Wir haben noch ein oder zwei 32-Liter Kanister dabei, der Platz ist also begrenzt.

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  2. Ilona

    Liebe Mandy, ich beneide deine Arbeit & denke sehr oft an Dich, & alle die Mitwirken durch Spenden, ich bin eine von den Stillen Leserinnen & immer in Gedanken & Gebet dabei, Aber auch hilft!.
    & was ist denn bitte schöner als Dankbar Glücklich von Herzen kommende Worte zuhören?- & Meistens sind das sogar wieder noch die ehrlichsten Menschen!- Denn so wie du, sie wissen wo der Tiefpunkt erreicht ist. Uns “gesunden” ist das manchmal unvorstellbar. Aber immer mehr öffnen sich die Herzen & ein Zusammenhalt entsteht.
    Danke für deine Arbeit!

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  3. Martin

    Liebe Mandy, Respekt für Euren Dienst und hohen Einsatz. Ihr helft ganz praktisch. Und dennoch kann ich mir vorstellen, daß es für die Hilfe-Empfänger fast noch wichtiger ist, gesehen und verstanden zu werden. Ich freue mich für Euch für die guten Rückmeldungen und Dankbarkeit, die Ihr erlebt. Und für die Heilung, die damit zu Dir zurückfließt. Seid gesegnet für die vor Euch liegenden Wochen mit Gottes Liebe, Versorgung, Kraft und Gesundheit!

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  4. Dorothea

    Herzlichen Dank für Deinen Dienst, liebe Mandy! Ich glaube, wer selbst einmal in so einer Situation war und den nötigen Abstand bekommen hat, kann dazu wirklich befähigt sein zu helfen.
    Ich würde mir wünschen, dass Menschen gar nicht mehr obdachlos werden, weil es zu Hause und im Staat besser läuft, aber das ist ein anderes Thema.
    Was mich noch interessieren würde: Gibt es bei Dir Kontakte zur Diakonie und Caritas bzw. AWO, die ja auch in diesem Bereich tätig sind?
    Herzliche Grüße!
    Dorothea

    Antworten
    1. Mandy Artikelautor

      Hallo Dorothea.

      Ich weiß nicht genau ob ich Dich richtig verstehe?

      Es gibt diverse Stellen, wo wir die Leute hinschicken. Z.B. wo sie eine Postadresse bekommen, ne Stelle wo Osteuropäer sich beraten lassen können, die Ambulanz für Obdachlose, Fixer Bus, Drogenberatung, Sozialarbeiter (z.B. Gangway) … oder möchtest du bestimmte Adressen von mir haben?

      Die findest du auf schnellen Weg über Google ;-)

      Alles Liebe
      Mandy

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  5. Jessica

    Liebe Mandy,

    dein Text berührt mich sehr. Zum Einen, weil ich mit dir und den Menschen auf der Strasse mitfühle und zum Anderen, weil es auch sehr viel mit mir und mit meiner Geschichte zu tun hat.
    Es berührt mich aber auch, zu erfahren, wie du deinen Weg gehst und deine Liebe in dir weiter trägst und so unendlich viel gibst. Sei es den Menschen auf der Strasse, aber auch uns Bloglesern mit deiner Arbeit.
    Sehr gut kann ich nachvollziehen, dass du den Verlust deiner Freundin, wie du erwähnst, sehr oft
    verdrängst. Würde mir aber sehr für dich wünschen, dass du diesen Schmerz noch einmal richtig zulassen kannst, um ihn dann irgendwann heilen lassen zu können.
    Ja, ich kenne es zu gut, dass vieles auch immer noch mal sehr weh tut, aber das Gute ist, dass es mich nicht mehr “zerreisst”. Heute ist Heute und die Vergangenheit hat nicht mehr die Kraft, mich fest zu halten ……..weiter gehen……auch mal stehen bleiben und sich verzweifelt fühlen …….den Blick darauf richten, was schon alles geschafft worden ist, darauf richten, was möglich ist……..
    Du hast so unendlich viel geschafft, Liebe Mandy………Sei Stolz auf Dich!!!!!
    Sei gesegnet Liebe Mandy
    Frieden,
    Freude,
    Licht
    Von Herzen Jessica

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  6. Beloved Joy Elisabeth

    Voll gut dass du darüber redest, dass man nicht direckt zurrück gehn muss um zu helfen. Sondern erstmal heil werden darf. Stark deine Geschichte. Macht mir Mut =) Ich schätze deine ehrliche Art schon sei 7 Jahren. Danke und ganz viel voll fetten Seegen von Jesus. =))

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